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Prominenz im Klassenzimmer
General a.D. Schneiderhan informiert am Gymnasium Ebingen über den Kalten Krieg
Am Freitag, den 10. Februar besuchte der bis vor zwei Jahren ranghöchste Bundeswehrangehörige, General a.D. Wolfgang Schneiderhan, das Gymnasium Ebingen. Er diskutierte 90 Minuten lang mit Schülern des Neigungskurses Geschichte, die in wenigen Wochen ihr Abitur u.a. über das Thema „Kalter Krieg“ absolvieren werden. Schneiderhans Besuch geht zurück auf die letztjährige Stauffenberg-Gedenkveranstaltung am 20. Juli in Lautlingen, als Schüler gerade dieses Neigungskurs sich mit der Erinnerungsgeschichte der Gedenkfeiern in Lautlingen befasst haben. Damals war der General, zugleich Vorsitzender der Stauffenberg-Gesellschaft, so beeindruckt, dass er spontan einen weiteren Besuch im Kurs angeboten hatte.
Die Schüler haben sich unter der Leitung ihres Lehrers Dieter Grupp auf diesen Besuch intensiv vorbereitet und eine Reihe von Fragestellungen entwickelt, auf die ihnen Wolfgang Schneiderhan bereitwillig, sehr ausführlich und mit einer nicht von allen erwarteten Offenheit geantwortet hat. Zentraler Gedanke bei allen seinen Ausführungen war die Frage der Glaubwürdigkeit. Diese spielte in Zeiten des Kalten Krieges innerhalb der Logik der Abschreckung ebenso eine zentrale Rolle wie sie es heute noch tut, wenn man darüber diskutiert, wo sich die Bundeswehr engagieren sollte und müsste. Mit den Taliban kann nur verhandelt werden, wenn man als glaubwürdiger Gesprächspartner erscheint – und auch der Bedrohung eines Atomkriegs kann man nur glaubhaft begegnen, wenn man neben die Rüstung stets das Gespräch, die Entspannung, setzt. Schneiderhan kritisierte in diesem Zusammenhang die Rüstungsspirale aus dem Kalten Krieg genauso wie einen überhasteten Einsatz der Bundeswehr in aktuellen Krisenregionen, bei dem vorher nicht klar vermittelt wird, dass man sich auf Jahre hin verpflichtet. Er betonte hierbei die Rolle der Prävention von Konflikten und wies die Schüler darauf hin, dass der zeitliche Einsatz der Bundeswehr im Kosovo und Afghanistan inzwischen den Zeitraum des 1. und 2. Weltkriegs zusammen übersteige. Bei den jüngsten Entwicklungen im arabischen Raum betonte er, dass eine Revolution an sich noch nichts Gutes sei, sondern es sich erst hernach entscheide, wie der Prozess weitergehe. Die Bevölkerung müsse ein Mehr an Sicherheit und/oder wirtschaftlicher Entwicklung spüren, um die Veränderung dauerhaft mitzutragen – und dies sei bei Ägypten eben noch nicht klar. Schneiderhan stellte fest, dass es in der westlichen Bevölkerung heute ein größeres Gefühl von Unsicherheit gebe als im Kalten Krieg, währenddessen man aber in einem ganz anderen Ausmaß wirklich bedroht war in Mitteleuropa.
Neben all den hochinteressanten Einlassungen zu Fragen des Kalten Krieges waren es vor allem die persönlichen Erlebnisse, die den Besuch von Herrn Schneiderhan für die Schüler unvergesslich werden ließen: ob es nun um die Motivation ging, warum er 1966 in die Bundeswehr eingetreten ist (u.a. weil die Verpflichtung den Weg zu einem eigenen Auto eröffnete), ob es um die anschauliche Erzählung von der Verbrüderung mit tschechischen Soldaten 1990 im Bayrischen Wald ging oder ob es darum ging, wie einem Kind in Afghanistan die rechte Hand amputiert wurde und er daraufhin eine Patenschaft für dieses Kind übernommen hat – alles, was General a.D. Schneiderhan den Schülern erzählt hat, war authentisch, plastisch erzählt und in höchstem Maße glaubwürdig. Im Anschluss haben Wolfgang Schneiderhan und der Lehrer Dieter Grupp vereinbart, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Gymnasium Ebingen und der Stauffenberg-Gesellschaft auch weiterhin intensiviert werden soll.
